Auf einmal fährst du im Rennen neben Stars

Spanischer Frühling:  Jakob Neumann bei seiner ersten Mehrtagesfahrt als Radprofi 

„auf einmal fährst du im Rennen neben Stars, die du sonst nur aus dem Fernsehen kennst, das ist schon irre.“ So beschreibt Jakob Neumann, ein großes Nachwuchstalent vom RC Germania Weißenburg, seine letzten Erlebnisse. Das Interview konnte ich am Telefon mit ihm führen, als er im Auto zurück vom Flughafen Stuttgart nach Weißenburg fuhr. Vier Tagesetappen lang bestritt er seine erste mehrtägige Rundfahrt im Profiteam „Storck–MRW-Bau“. Die Vuelta Asturias im Norden Spaniens gilt als Berg lastig und anspruchsvoll. Seit 2026 fährt Jakob Neumann für das UCI Continental Team als einer von fünf Deutschen in dem 15-Köpfigen Team. „die übergreifende Teamsprache ist ein gutes Training für die anstehende Prüfung im Englisch-Abitur diese Woche“, scherzt der noch 18-jährige Rennradfahrer. Die Teamkollegen von Jakob Neumann sind durchgehend reine Berufsradfahrer, er hingegen muss sich dazu noch auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. Aber es ist Jakob Neumann durchaus bewusst, dass er sich einen Plan B offenhalten muss. Sollte es mit dem Einstieg ins Berufsleben eines Profisportlers nicht klappen, steht ihm nach dem Abitur jederzeit die Möglichkeit eines Studiums zur Verfügung. Derzeit ist es aber sein sehnlichster Wunsch sich den Traum des Profirennfahrers zu verwirklichen.

Auf die Frage hin, was die großen Unterschiede sind beim Wechsel aus der Amateur- in die Profiliga, beschreibt Jakob die klarere Strukturierung im gesamten Fahrerfeld. Natürlich wird stärker und schneller gefahren als in der U19, aber auch wesentlich disziplinierter und geordneter. Die Rangordnungen in den Teams sind genau fixiert. Die World-Tour Teams kontrollieren das Rennen, die Continental-Teams suchen ihre Gelegenheit. Eigentlich hätte das Team Storck-MRW-Bau auch gerne einmal einen Platz in einer Ausreißergruppe eingenommen um sich zu präsentieren. Die großen Teams ließen aber niemanden von der Leine und die vielen Berge setzten bei dem Rennen die Akzente. 591 Kilometer und 10677 Höhenmeter mussten in den vier Tagen befahren werden. Der kolumbianische Bergspezialist Nairo Quintana, er gewann in seinen besten Jahren unter anderem den Giro di Italia, die Spanienrundfahrt sowie drei Tour de France Etappen, konnte das Gesamtklassement für sich entscheiden und gewann die diesjährige Vuelta Asturias.

Das Team um Jakob Neumann hatte ein klares Ziel, es wollte möglichst weit im Gesamtranking nach oben kommen. Mit ihrem mexikanischen Bergspezialisten Edgar David Cadena hatten sie einen klaren Kapitän, den das ganze Team unterstützte. Die Aufgaben eines Helfers wie Jakob Neumann sind harte Arbeit. So müssen sich die Helfer immer wieder zum Teamwagen zurückfallen lassen, Wasserflaschen einstecken und ihren führenden Teamkollegen nach vorne bringen. Auch der Transport von zu viel oder zu wenig Kleidung für den Leader gehören zu den Aufgaben. An Schlüsselstellen vor Anstiegen oder Engstellen nehmen sie ihren Kapitän in Schutz und versuchen ihn in eine aussichtsreiche Position zu bringen, spenden ihm auch möglichst lange Windschatten um seine Energiereserven für die Anstiege zu schonen. „Im Team fühle ich mich sehr wohl, es herrscht eine gute Stimmung und alle Kollegen unterstützen mich so gut sie können. Die älteren Fahrer geben mir gerne ihre Erfahrung mit“, berichtet Jakob Neumann. Der gute Teamgeist trug dann schließlich auch reichlich Früchte: der Mexikaner Cadena gewann von den vier Etappen die Nummer drei und vier, im Gesamtklassement landete er auf Platz 6. Die Frage, ob Jakob mit seiner Leistung in seinem ersten Profieinsatz zufrieden ist, muss man sich nicht stellen. Die Fakten sind mehr als deutlich.