Als die Entscheidung fiel, als Veranstalter in die MTB Rennserie „Rookies Cup“ einzusteigen begann der RC Germania nach einem geeigneten Gelände zu suchen. Reichlich Natur mit Abfahrten und Anstiegen, aber auch eine vorhandene Infrastruktur mit Parkmöglichkeiten, einfacher Anfahrt, Strom, Trinkwasser, Toiletten standen auf der Wunschliste. Der Segelflugverein Weißenburg konnte mit seinem Areal oberhalb von Kehl bei Weißenburg genau dies alles bieten und stieg auch sofort mit ein. Eine unmittelbare Nachbarschaft gibt es nicht, niemand empfindet sich belästigt.
Die ersten Teilnehmer reisten bereits Freitagabend an und parkten ihre Wohnmobile unmittelbar hinter dem Vereinsgelände an der Kante des Juragebirges mit Blick auf die Weißenburger Ebene. „Wow, ist das eine schöne Location hier, schaut euch diesen Sonnenuntergang an“. Diese positive Grundstimmung blieb bei allen Anwesenden auch den ganzen folgenden Renntag erhalten, an jeder Ecke wurden Handys gezückt um die herrliche Umgebung im Bild festzuhalten. Das Wetter hätte bei Vorbestellung nicht besser sein können. Mittwoch und Donnerstag löschte der Regen den Staub, Freitag trocknete das Gelände ab und am Samstag verwöhnte die starke Sonne Veranstalter und Gäste. Auch die Rennstrecke erhielt durch diese Wetterabfolge ideale Bedingungen, die Reifen der Mountainbikes rollten schnell und mit ordentlich Grip. Bei schlechterem Wetter hätten die Segelflieger den Radfahrern sogar extra die Halle für die Siegerehrung und die Bierbänke freigeräumt.
Die Akzeptanz eines MTB-Rennens hängt sehr stark von der angebotenen Rennstrecke ab. Für die Streckenbauer ist es eine schwierige Gratwanderung. Die Natur soll so wenig wie möglich verändert werden, hauptsächlich sollen bereits vorhandene Wege genutzt werden. Für die Fahrer ist der Schwierigkeitsgrad entscheidend. Die Trails sollten einem MTB gerecht werden und sich deutlich von einem Rennen für Gravelräder unterscheiden. Ein paar kleine Sprünge, holprige Steine und Wurzeln, knifflige Kurven dürfen schon im Wege sein. Allerdings so maßvoll, dass sich alle Teilnehmer die Strecke befahren trauen und wenig Schiebe- oder Tragepassagen entstehen. Den Verantwortlichen des RC Germania ist diese Gratwanderung perfekt gelungen. Die Eingriffe in die Natur waren so gering, dass sie einen Tag später nicht mehr erkennbar waren. Die Strecke wurde von allen Racern gerne befahren, technische Highlights wie das natürliche Steinfeld oder die Steilabfahrt an der Spitze des Flugfelds forderten perfekte Radbeherrschung und dienten als Publikumsmagnet.
Die zentrale Anordnung der Rennstrecke, fast immer in Nähe des Flugfelds, erwies sich als sehr zuschauerfreundlich. Für die verschiedenen Altersklassen wurde die Strecke entsprechend variiert. Der Start war für alle Teilnehmer an gleicher Stelle mitten auf dem Flugfeld. Die Kinder in der U7m/w fuhren zweimal eine 450 Meter lange Wiesenschleife. Für die U9m/w wurde die Schleife auf dreimal 89 Meter erweitert, die U11 drehte viermal 1,59km, die U13 befuhr die gleiche Schleife fünfmal. Hier waren bereits kleine Schikanen mit Anstiegen und schnellen Richtungswechseln integriert.
Ab der U15m/w wurde die große Schleife gefahren. Eine Runde hatte 3,8km und die Anstiege summierten sich zu über 100 Höhenmetern. Die Zeitmessung erfolgte wie üblich über elektronische Transponder am Rad, die beim Überfahren der Ziellinie ein Signal auslösen. Der RC Germania hatte 200 Transponder bestellt, somit war die Teilnehmerzahl auch auf 200 beschränkt. Die Veranstaltung war komplett ausgebucht.
Am Samstag füllten sich die Parkplätze zeitig, war doch der erste Rennstart bereits für neun Uhr angesetzt. Da es sich, bis auf die Hobbyklasse, um Lizenzrennen handelt, ist auch ein offizieller Kommisär des Bayrischen Radverbandes vor Ort. Er hat bereits am Vorabend die Strecke inspiziert, lässt sich alles zeigen, gibt schließlich grünes Licht und überwacht die Zieleinläufe aller Klassen.
Die komplette Gastronomie lag in Händen des Segelflugvereins, sie ließen keine Wünsche offen. „Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung, alles bestens“ bestätigten die Damen und Herren der Lüfte auf Nachfrage. Auch beim zweiten Traditionsverein Weißenburgs, dem RC Germania, läuft`s. Die Rennen starten pünktlich, die Kinder und ihre Eltern haben Spaß. Am Nachmittag stehen in den Klassen U13m/w bis U17m/w die Rennen zum zweiten Lauf der MTB-Bayernliga an. Die Kinder vorher gehen nicht weniger ambitioniert in den Wettkampf. Sie geben alles, auf den letzten Runden müssen sie die letzten Reserven aus den Beinen holen. Und sie tun es.
Bereits am Vormittag kommt die Oberbürgermeisterin Eva Reichstadt zu Besuch. Die Sportlerin hat ein offenes Ohr für alle Anwesenden, sie bleibt relativ lange, bevor sie mit ihrem E-Bike zum nächsten Termin weiterziehen muss. Peter Lehmeyer vom RC Germania, selbst engagierter Hobbyrennfahrer, fuhr als Führungsperson den Kindern am Start voraus. Ab der U13 kam er selbst schon leicht ins Schwitzen: „ich muss ja heute Nachmittag selbst noch an den Start“.
Im letzten Rennen der Veranstaltung starteten die Cracks der Scene aus den Lizenzklassen zusammen mit der freien Hobbyklasse. Im ganzen Fahrerfeld waren leider nur zwei Frauen aus der Eliteklasse zu finden. Lucia Schiebel, die Gewinnerin, hätte sich sicherlich mehr Mitfahrerinnen gewünscht, zumal die zweite Dame, Eva Halsner, den Wettkampf nach einem Sturz in der ersten Runde aufgeben musste.
Die Hobbyklasse wurde, wie von den Veranstaltern gewünscht, auch von Neueinsteigern oder weniger trainierten MTB-Sportlern genutzt. Die ersten vier Plätze gingen gesamt an die Radfreunde Hilpoltstein. Gernot Schwarz vom RC Germania errang trotz Sturz noch den sechsten Platz. Er war heuer ausnahmslos auf dem Rennrad unterwegs und drehte mit dem MTB extra kurz vorher noch wenige Übungsrunden. „Die seltene Chance, mit meinem Sohn (Max Schwarz, Lokalmatador des RCG) zeitgleich ein Rennen zu fahren muss ich einfach nutzen“ erklärte Gernot vorab.
Max Schwarz, der nächstes Jahr wiederholt beim Cape Epic in Südafrika starten wird, galt als hoher Favorit und wurde seiner Rolle auch gerecht, konnte er sich deutlich vom restlichen Fahrerfeld absetzen. Wenn da nicht Maximilian Vetter vom RV Pfeil aus Magstadt gewesen wäre. Er blieb stetig an der Verfolgung von Max Schwarz.
Erst ein Reifenschaden am Hinterrad sorgte für eine größere Lücke. Vetter erreichte die Tech-Zone (nur dort darf laut Reglement das Rad instandgesetzt werden), handelte sich zuletzt aber zwei Minuten Rückstand ein. „Maximilian Vetter durchquerte die Zielgeraden bei der Rundendurchfahrt und raste zur Tech-Zone am höchsten Punkt mit einem Platten Hinterrad, wie es manche mit intaktem Rad nicht schaffen könnten“ bemerkte ein Zuschauer diesen Kraftakt voller Respekt. Max Schwarz zollte ebenfalls Respekt : „ohne seinen Platten wäre es noch mal richtig eng geworden“. Der Dritte Platz der Elite ging ebenfalls an den RC Germania, Christoph Neumann erreichte das Ziel 2,5 Minuten nach Max Schwarz.
Die Veranstaltung des „Weißenburger Airport Cross Country“ wird allen Anwesenden als ein wunderschöner Tag in toller Atmosphäre auf epischem Austragungsort in Erinnerung bleiben. Sowohl der RC Germania als auch der Segelflugverein waren mit dem Debüt sehr zufrieden.
