Seit vielen Jahren ist Karl-Heinz Oberhuber als Ausdauersportler aktiv und erfolgreich. Rund 160 Triathlon-Wettbewerbe hat der 49-jährige Dietfurter inzwischen schon absolviert. Er ist mehrfacher Bayerischer Meister und Deutscher Vizemeister. Ein Dutzend Mal bewältigte er die Ultradistanz, beispielsweise bei den Ironman-Events in Roth, Kanada oder sogar auf Hawaii. Den größten sportlichen Erfolg hat ihm jedoch sein jüngster Einsatz beschert: In Dänemark holte sich Oberhuber den Titel des Vizeweltmeisters über die Langdistanz in der Altersklasse M50, in der er heuer erstmals starten kann. Für 3,2 Kilometer Schwimmen, 120 Kilometer Radfahren und 30 Kilometer Laufen benötigte er 6:47 Stunden. In Dänemark, genauer gesagt in Fredericia an der Ostseeküste, erlebte Oberhuber sechs unvergessliche Tage und einen Wettbewerb, der glänzend organisiert war, der es aber auch in sich hatte. In den Tagen vor der WM herrschten Dauerregen und kühle Temperaturen. Am eigentlichen Triathlontag blieb es dann jedoch trocken. Es war aber ausgesprochen kalt für die Jahreszeit. Die Ostsee, in der geschwommen werden musste, hatte gerade mal 15 Grad. „I never swim in such a cold water“, sagte eine Australierin neben Oberhuber am Start. „Ich bin noch nie in einem solch kalten Wasser geschwommen.“
Schwimmen im offenen Meer
Wegen der niedrigen Temperaturen, der unruhigen See und wegen Quallen war die
Schwimmstrecke von 4 auf 3,2 Kilometer verkürzt worden. Oberhuber hatte
sich kräftig eingecremt, war auch durch seinen Neoprenanzug bestens geschützt
und kam ganz gut durch. Als Fünfter stieg er nach 51 Minuten aus dem Wasser.
Auf der 120 Kilometer langen eckigen, welligen und windigen Radstrecke im Küstenbereich
machte er dann drei Plätze gut (Radzeit: 3:22 Stunden). Nur der Finne Antti
Ojala lag in seiner Altersklasse (insgesamt 41 Konkurrenten) noch vor ihm. Der
Dietfurter hoffte auf die Laufstrecke, kam jedoch nicht mehr an den Führenden
heran. „Das Ganze hat unheimlich an meinen Kräften gezehrt. Gegen
Ende habe ich mich gefühlt wie nach einem Ironman.“ Hier sind die
Distanzen (3,9/180/42,195 km) bekanntlich noch länger. Seinen zweiten Platz
musste Oberhuber sogar noch in einem Schlussspurt verteidigen. Das gelang. „Ich
bin natürlich hochzufrieden, dass ich bei einem solchen Wettbewerb auf
dem Treppchen stehen durfte.“ Die Silbermedaille war nicht nur der verdiente
Lohn für die Strapazen in Dänemark, sondern auch für eine intensive
Vorbereitung daheim in mittelfränkischen Gefilden. Insgesamt waren in Fredericia
700 Teilnehmer/innen am Start. Die offizielle Weltmeisterschaft der Internationalen
Triathlon Union (ETU) steht medienmäßig sicherlich im Schatten der
großen Wettbewerbe (Frankfurt, Hawaii, Roth) und gilt vor allem als Eldorado
für die Amateursportler. In Dänemark selber war das Aufsehen um den
Wettbewerb jedoch sehr groß. Die Strecke war überaus zuschauerfreundlich.
Schwimmen, Radfahren und Laufen wurden in zwei, drei oder vier Runden absolviert.
Der abschließende Lauf fand beispielsweise auf einem attraktiven Stadtkurs
statt. Im Zielbereich waren allein etwa 20 000 Zuschauer, die die Athleten anfeuerten
und begeistert empfingen. Darunter auch Karl-Heinz Oberhuber. Der Organisator
des hiesigen Landkreislaufes und Landratsamtsmitarbeiter war vor allem vom internationalen
Flair und der „tollen Atmosphäre“ der WM sehr angetan. Starter/innen
aus 41 Nationen waren dabei. Schnell kamen die Sportler untereinander ins Gespräch.
Der Mittelfranke, der sonst für den RC Germania Weißenburg oder den
ESV Treuchtlingen startet, war diesmal im Trikot der Deutschen Seniorennationalmannschaft
unterwegs. Der schwarz-rot-goldene Tross umfasste etwa 50 Athleten und Betreuer.
Oberhuber wurde zudem von seiner Frau Andrea sowie den beiden Kindern Nina (15)
und Niklas (8) begleitet und betreut. Die Familie war im Wohnmobil in den hohen
Norden gefahren und übernachtete wie viele andere Teilnehmer auf einem
Campingplatz. Dort herrschten durch den Dauerregen recht unwirtliche und abenteuerliche
Bedingungen. Ursprünglich hatten die Oberhubers noch einige Urlaubstage
an die WM dranhängen wollen. Doch das schlechte Wetter sorgte für
eine andere Entscheidung. Nach der Siegerehrung fuhr die Familie zurück
nach Dietfurt und wird jetzt in die andere Richtung weiterfahren: Ab in den
sonnigen Süden! Dann wird auch der frischgebackene Vizeweltmeister die
Beine hochlegen.
Uwe Mühling