Vizeweltmeister aus Dietfurt
Bericht des Weißenburger Tagblatts vom 9.8.2005
Uwe Mühling


Seit vielen Jahren ist Karl-Heinz Oberhuber als Ausdauersportler aktiv und erfolgreich. Rund 160 Triathlon-Wettbewerbe hat der 49-jährige Dietfurter inzwischen schon absolviert. Er ist mehrfacher Bayerischer Meister und Deutscher Vizemeister. Ein Dutzend Mal bewältigte er die Ultradistanz, beispielsweise bei den Ironman-Events in Roth, Kanada oder sogar auf Hawaii. Den größten sportlichen Erfolg hat ihm jedoch sein jüngster Einsatz beschert: In Dänemark holte sich Oberhuber den Titel des Vizeweltmeisters über die Langdistanz in der Altersklasse M50, in der er heuer erstmals starten kann. Für 3,2 Kilometer Schwimmen, 120 Kilometer Radfahren und 30 Kilometer Laufen benötigte er 6:47 Stunden. In Dänemark, genauer gesagt in Fredericia an der Ostseeküste, erlebte Oberhuber sechs unvergessliche Tage und einen Wettbewerb, der glänzend organisiert war, der es aber auch in sich hatte. In den Tagen vor der WM herrschten Dauerregen und kühle Temperaturen. Am eigentlichen Triathlontag blieb es dann jedoch trocken. Es war aber ausgesprochen kalt für die Jahreszeit. Die Ostsee, in der geschwommen werden musste, hatte gerade mal 15 Grad. „I never swim in such a cold water“, sagte eine Australierin neben Oberhuber am Start. „Ich bin noch nie in einem solch kalten Wasser geschwommen.“

Schwimmen im offenen Meer
Wegen der niedrigen Temperaturen, der unruhigen See und wegen Quallen war die Schwimmstrecke von 4 auf 3,2 Kilometer verkürzt worden. Oberhuber hatte sich kräftig eingecremt, war auch durch seinen Neoprenanzug bestens geschützt und kam ganz gut durch. Als Fünfter stieg er nach 51 Minuten aus dem Wasser. Auf der 120 Kilometer langen eckigen, welligen und windigen Radstrecke im Küstenbereich machte er dann drei Plätze gut (Radzeit: 3:22 Stunden). Nur der Finne Antti Ojala lag in seiner Altersklasse (insgesamt 41 Konkurrenten) noch vor ihm. Der Dietfurter hoffte auf die Laufstrecke, kam jedoch nicht mehr an den Führenden heran. „Das Ganze hat unheimlich an meinen Kräften gezehrt. Gegen Ende habe ich mich gefühlt wie nach einem Ironman.“ Hier sind die Distanzen (3,9/180/42,195 km) bekanntlich noch länger. Seinen zweiten Platz musste Oberhuber sogar noch in einem Schlussspurt verteidigen. Das gelang. „Ich bin natürlich hochzufrieden, dass ich bei einem solchen Wettbewerb auf dem Treppchen stehen durfte.“ Die Silbermedaille war nicht nur der verdiente Lohn für die Strapazen in Dänemark, sondern auch für eine intensive Vorbereitung daheim in mittelfränkischen Gefilden. Insgesamt waren in Fredericia 700 Teilnehmer/innen am Start. Die offizielle Weltmeisterschaft der Internationalen Triathlon Union (ETU) steht medienmäßig sicherlich im Schatten der großen Wettbewerbe (Frankfurt, Hawaii, Roth) und gilt vor allem als Eldorado für die Amateursportler. In Dänemark selber war das Aufsehen um den Wettbewerb jedoch sehr groß. Die Strecke war überaus zuschauerfreundlich. Schwimmen, Radfahren und Laufen wurden in zwei, drei oder vier Runden absolviert. Der abschließende Lauf fand beispielsweise auf einem attraktiven Stadtkurs statt. Im Zielbereich waren allein etwa 20 000 Zuschauer, die die Athleten anfeuerten und begeistert empfingen. Darunter auch Karl-Heinz Oberhuber. Der Organisator des hiesigen Landkreislaufes und Landratsamtsmitarbeiter war vor allem vom internationalen Flair und der „tollen Atmosphäre“ der WM sehr angetan. Starter/innen aus 41 Nationen waren dabei. Schnell kamen die Sportler untereinander ins Gespräch. Der Mittelfranke, der sonst für den RC Germania Weißenburg oder den ESV Treuchtlingen startet, war diesmal im Trikot der Deutschen Seniorennationalmannschaft unterwegs. Der schwarz-rot-goldene Tross umfasste etwa 50 Athleten und Betreuer. Oberhuber wurde zudem von seiner Frau Andrea sowie den beiden Kindern Nina (15) und Niklas (8) begleitet und betreut. Die Familie war im Wohnmobil in den hohen Norden gefahren und übernachtete wie viele andere Teilnehmer auf einem Campingplatz. Dort herrschten durch den Dauerregen recht unwirtliche und abenteuerliche Bedingungen. Ursprünglich hatten die Oberhubers noch einige Urlaubstage an die WM dranhängen wollen. Doch das schlechte Wetter sorgte für eine andere Entscheidung. Nach der Siegerehrung fuhr die Familie zurück nach Dietfurt und wird jetzt in die andere Richtung weiterfahren: Ab in den sonnigen Süden! Dann wird auch der frischgebackene Vizeweltmeister die Beine hochlegen.

Uwe Mühling